TUI Group im Sommer 2026: Flotte, Hotelmarken und der Preisabstand zur DER Touristik
Die Hannoveraner Konzernspitze fährt eine Doppelstrategie aus 737-MAX-Rückkehr und 787-Langstreckenausbau. Wir ordnen Kapazität, Hotel-Portfolio und Endkundenpreis im Vergleich zum DER-Touristik-Konzern ein.
Die TUI Group hat den Sommer 2026 mit der größten Sitzplatzkapazität ihrer jüngeren Geschichte eröffnet. Nach der schrittweisen Wiederinbetriebnahme der Boeing 737 MAX 8 im Bestand von TUIfly Deutschland, TUI fly Belgium und TUI Airways UK stehen dem Konzern aktuell rund 145 eigene Flugzeuge zur Verfügung. Die MAX-Maschinen ersetzen ältere 737-800-Rümpfe vor allem auf den Mittelmeerstrecken nach Mallorca, Antalya, Heraklion und Hurghada. Auf der Langstrecke baut TUI das Programm der Boeing 787-9 Dreamliner aus: Cancún, Punta Cana, Boa Vista und Mauritius werden saisonübergreifend bedient, das Phuket-Programm aus Frankfurt und Düsseldorf läuft erstmals seit 2019 wieder ganzjährig.
Die Flottenstrategie folgt einem klaren Steuerungsprinzip: TUI hält die Vertikale Integration aufrecht, also die durchgängige Wertschöpfungskette aus Eigenflug, Eigenhotel und Eigenvertrieb. Genau diese Architektur unterscheidet den Konzern strukturell vom DER-Touristik-Konzern, der als Veranstaltergruppe der REWE Group keine eigene Airline betreibt und stattdessen auf Sitzplatzkontingente bei Condor, Eurowings Discover und Lufthansa Group zurückgreift. Für Pauschalreise-Buchende führt das zu spürbar unterschiedlichen Preiskurven: TUI kann interne Verrechnungspreise zwischen Airline und Veranstalter glätten, DER Touristik ist enger an die Marktpreise der Drittairlines gekoppelt.
Hotel-Portfolio: Vier Markenwelten unter einem Dach
Auf der Hotelseite hat TUI das Vier-Marken-Modell weiter geschärft. Riu bleibt das Premium-All-Inclusive-Segment für Familien und Paare, mit fortgesetzter Expansion in der Karibik, auf Kap Verde und in Mexiko. Robinson positioniert sich als Aktiv- und Clubmarke mit eigenem Sport- und Animationsprofil und erhält im Sommer 2026 mit dem Robinson Apulia ein neues Süditalien-Haus. TUI Blue als Lifestyle-Linie wächst vor allem in der Türkei, in Griechenland und seit 2025 auch in Kroatien. TUI Magic Life bedient das All-Inclusive-Familien- und Paar-Segment mit klarem Preis-Leistungs-Versprechen, der Sommer-2026-Katalog führt 22 Häuser im Mittelmeerraum.
Diese Marken-Architektur erlaubt es dem Konzern, Preispunkte sauber zu trennen. Eine Robinson-Woche in Andalusien wird systematisch teurer angeboten als ein TUI-Magic-Life-Aufenthalt vergleichbarer Lage, weil das Leistungsversprechen anders kalkuliert ist. DER Touristik führt mit Sentido, Calimera und Cooee zwar konkurrierende Marken, hat aber nicht die gleiche Tiefe an Eigenhotellerie und kauft stärker bei lokalen Partnerketten zu. Für Reisende bedeutet das in der Praxis: TUI-Produkt wirkt aus einem Guss, DER-Touristik-Produkt ist in der Hotelqualität varianter.
Preisniveau und Marktstruktur nach der Insolvenzwelle
Die Preisrelation zwischen den beiden großen deutschen Veranstaltern hat sich seit dem Frühjahr 2025 leicht zugunsten von TUI verschoben. Eine zwei-wöchige Mallorca-Pauschalreise mit Direktflug ab Frankfurt, Halbpension und Vier-Sterne-Hotel der mittleren Lagekategorie liegt im TUI-Katalog Sommer 2026 bei rund 1.480 Euro pro Person, im vergleichbaren DER-Touristik-Angebot bei etwa 1.560 Euro. Auf der Langstrecke ist das Verhältnis umgekehrt: TUI verlangt für Punta Cana im Riu Palace Macao rund 2.190 Euro pro Person, DER Touristik bietet das gleiche Hotel über die Airtours-Linie für 2.090 Euro an, allerdings mit Condor-Anschluss statt Direktflug.
Diese Preisdynamik lässt sich nicht ohne den Marktstruktur-Kontext lesen, der die deutsche Pauschalreise seit dem Thomas-Cook-Zusammenbruch im September 2019 prägt. Mit Thomas Cook verschwanden Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und Öger Tours aus dem Markt, ihre Kundenpotenziale verteilten sich überwiegend auf TUI und DER Touristik. Die zweite Welle traf den Markt im Juni 2024 mit der Insolvenz der FTI Group, die mit FTI Touristik, 5vorFlug und BigXtra immerhin Platz drei der deutschen Veranstalter belegt hatte. Ein Teil des FTI-Geschäfts ging an die DERTOUR Group, ein Teil floss in den freien Markt zurück, ein Teil wurde von Veranstaltern wie Schauinsland-Reisen und alltours aufgefangen.
Der strukturelle Effekt: Die deutsche Pauschalreise konzentriert sich auf zwei Großveranstalter mit jeweils rund neun bis elf Milliarden Euro Jahresumsatz und ein Mittelfeld aus Schauinsland-Reisen, alltours und ITS, das in Summe nochmals etwa fünf Milliarden Euro bewegt. Diese Konzentration erhöht die Preissetzungsmacht der beiden Marktführer und reduziert die Wahrscheinlichkeit aggressiver Preiskämpfe, wie sie der Markt noch um 2015 herum kannte. Für den Sommer 2026 zeichnet sich ab: Die TUI Group nutzt ihre Kapazitätsführerschaft, um die Frühbucherquote zu erhöhen und die Last-Minute-Margen zu stabilisieren, DER Touristik antwortet mit ausgebauten Eigenmarken im Drei-Sterne-Segment und einer offensiveren Familienpolitik bei kleinen Kindern.
Die Sommerbilanz wird sich Ende September lesen lassen. Schon jetzt ist erkennbar, dass beide Konzerne mit der Buchungslage zufrieden sind, ohne in den Modus aggressiver Discountierung wechseln zu müssen. Die Lehre aus den Insolvenzen von 2019 und 2024 wirkt nach: Marge vor Marktanteil, und für die deutsche Pauschalreise als Ganzes vermutlich der stabilste Sommer seit Beginn des Jahrzehnts.